Anfang Juni gab es Berichte, dass XPeng Motors heimlich ein Yachtentwicklungsprojekt mit dem internen Codenamen „Fliegender Fisch“ gestartet habe. Anschließend reagierte XPeng mit der Aussage, man habe „keine Kenntnis von dieser Angelegenheit“.
Diese Gerüchte und die Reaktion darauf rückten ein Technologieunternehmen, das mit intelligenten Elektroautos gestartet ist, in den Mittelpunkt der Diskussion über eine dreidimensionale Strategie zu Lande, in der Luft und auf dem Wasser.
Die Konturen des Gerüchts und das Schweigen der offiziellen Stellen
Nach Informationen aus mehreren Quellen hat XPeng Motors Anfang 2026 intern ein Yachtentwicklungsteam mit fast 100 Mitarbeitern gebildet. Das Projekt wird von Qian Zhanwei, dem Leiter der Fahrzeugarchitektur bei XPeng Motors, geleitet. Der interne Codename des Projekts lautet „Fliegender Fisch“.

Es wird berichtet, dass XPeng, anders als der Entwicklungsweg traditioneller Yachthersteller, seine Kernkompetenzen auf die Chassis-Algorithmen konzentriert. Basierend auf den im Bereich der intelligenten Elektroautos gesammelten Fähigkeiten in dynamischer Reaktion, Sensorfusion und koordinierter Steuerung, wird eine intelligente Regelung von Rumpfhaltung, Antriebsleistung und Lenkeinschlag angestrebt. Die Zielkunden werden als der Markt für wohlhabende Familien beschrieben, mit Fokus auf private Urlaubsszenarien.
Nachdem das Gerücht aufgekommen war, reagierte XPeng auf zahlreiche Anfragen mit der Aussage, man habe „keine Kenntnis von dieser Angelegenheit“. Bis heute hat XPeng Motors keine offizielle Erklärung zum Yachtprojekt veröffentlicht. Wichtige Informationen wie technische Parameter, Produktform und Produktionsrhythmus wurden nicht nach außen gegeben.
Bemerkenswert ist der spezielle Zeitpunkt, zu dem dieses Gerücht auftauchte. Am 10. Juni veröffentlichte He Xiaopeng, Vorstandsvorsitzender der XPeng Group, einen internen Brief, in dem er bekannt gab, persönlich die Position des CEO des Robotikgeschäfts zu übernehmen, um die Massenproduktion und Auslieferung des humanoiden Roboters IRON im vierten Quartal 2026 mit voller Kraft voranzutreiben.
Darüber hinaus hatte die XPeng Group im ersten Quartal 2026 ihren chinesischen Firmennamen von „XPeng Motors“ in „XPeng Group“ geändert, was den Wandel der Unternehmensstrategie von einem intelligenten Elektroauto-Hersteller zu einem „Physical AI-Unternehmen“ signalisiert. In diesem Transformationsrahmen ist das Flugauto „Land Aircraft Carrier“ für die skalierte Massenproduktion im Jahr 2026 geplant, und der Robotaxi soll ebenfalls in diesem Jahr mit dem Demonstrationsbetrieb beginnen. Das Aufkommen des Yachtgerüchts fällt genau in eine intensive Phase, in der XPeng mehrere Geschäftsbereiche gleichzeitig vorantreibt.
Tatsächlich hat sich das Tempo der Transformation von XPeng seit der Umbenennung zu Beginn des Jahres deutlich beschleunigt.

Im Bereich der niedrigen Flughöhen haben die Vorbestellungen für das modulare Flugauto „Land Aircraft Carrier“ bereits die Marke von 7.000 Einheiten überschritten. Die weltweit erste Fließbandfertigungsanlage für Flugautos in Guangzhou befindet sich in der Vorbereitungsphase für die Produktion. Geplant ist, alle 30 Minuten ein Fluggerät vom Band laufen zu lassen, was den Weg für die Massenproduktion und Auslieferung im Jahr 2026 ebnet.
Auf der noch zukunftsweisenderen Robotik-Sparte befindet sich das IRON-Projekt, das gerade von He Xiaopeng persönlich übernommen wurde, ebenfalls in der entscheidenden Phase. Dieser humanoide Roboter, der mit drei selbst entwickelten Ling-Chips ausgestattet ist und eine Rechenleistung von 2250 TOPS bietet, strebt die Massenproduktion von tausend Einheiten bis zum Jahresende an.
Selbst im hart umkämpften Kerngeschäft Automobil hat XPeng das Produkttempo nicht verlangsamt. Seit 2026 wurden mehrere Facelifts und völlig neue Modelle auf den Markt gebracht. Im Mai erreichten die Auslieferungen mit 32.158 Einheiten einen neuen Jahreshöchststand. Der vollständig selbst entwickelte Robotaxi ist ebenfalls in Guangzhou vom Band gelaufen und steht kurz vor der Aufnahme des kommerziellen Betriebs.
In einer Zeit, in der die drei Bereiche Flug, Robotik und Bodenverkehr fast gleichzeitig in die Massenproduktion oder die entscheidende Phase eintreten, liefert das Aufkommen des Yachtgerüchts zweifellos eine neue Randnotiz für die Beobachtung der strategischen Tiefe dieses Unternehmens von außen.
Autohersteller steigen in Yachten ein: Ein Branchenphänomen, das nicht neu ist
XPeng ist nicht der erste Autohersteller, der in den Yachtbereich einsteigt. Marken wie Mercedes-AMG, Lamborghini, Porsche und Lexus sind bereits in diesem Bereich tätig.
Zum Beispiel hat Lexus in Zusammenarbeit mit Marquis Yachts die Luxusyacht-Serie LY auf den Markt gebracht; Mercedes-AMG hat mit dem Cigarette Racing Team das Hochgeschwindigkeitsboot Tirranna AMG Edition entwickelt.

Betrachtet man diese Fälle, so neigen die Automarken beim Einstieg in den Yachtbereich eher dazu, sich in Form von Kooperationen oder der Beteiligung an der Entwicklung zu engagieren, anstatt den gesamten Bauprozess eigenständig zu leiten.
Den Gerüchten über XPeng zufolge hat das Unternehmen jedoch einen Weg der tiefgreifenden Eigenentwicklung und Technologiewiederverwendung gewählt – die direkte Übertragung intelligenter Automobiltechnologie auf die Yachtentwicklung. Aus Branchensicht bleibt abzuwarten, ob dieser differenzierte Weg erfolgreich sein wird.
Aus Branchensicht bietet die Entwicklung der Elektrifizierung im Automobilbereich eine Lieferkettenbasis für die Elektrifizierung von Yachten.
Es gibt auch Bewegungen auf politischer Ebene: Das Verkehrsministerium erklärte Ende 2025, dass die Zahl der neu registrierten Yachten in China in den letzten drei Jahren jährlich um über 40 % gestiegen sei. Yachten entwickeln sich von einem Luxuskonsum hin zu einem Massenkonsum und einer Phase des skalierten Wachstums. Diese Faktoren bilden zusammen den makroskopischen Hintergrund für den Einstieg von Autoherstellern in den Yachtbau.
Anfang 2026 gründete JD.com-Gründer Liu Qiangdong mit einer persönlichen Investition von 5 Milliarden Yuan die Yachtmarke „Tanhai Yacht“. Dass mehrere Geschäftspersönlichkeiten fast gleichzeitig ihr Augenmerk auf den Wassermarkt richten, spiegelt an sich den Wandel der Aufmerksamkeit wider, den die Yachtindustrie derzeit erfährt.
Allerdings steht die elektrische Yacht-Sparte noch vor einigen realen Herausforderungen.
Technisch gesehen müssen Reichweite, Batteriesicherheit und Ladegeschwindigkeit weiter verbessert werden; auf der Marktseite befinden sich Wirtschaftlichkeit, Standardsysteme und Geschäftsmodelle noch in der Erprobung. Diese Herausforderungen sind Aufgaben, denen sich jedes in diesem Bereich tätige Unternehmen stellen muss.
Fazit
Bis heute bleibt die Angelegenheit „XPeng baut Yachten“ auf der Ebene verschiedener nicht-offizieller Informationen und wurde von XPeng offiziell nicht bestätigt. Die genaue Form, die technische Route und der Zeitplan für die Umsetzung des im Gerücht genannten „Fliegender Fisch“-Projekts müssen noch durch weitere autoritative Informationen geklärt werden.
Bevor offizielle klare Informationen veröffentlicht werden, ist dieses Ereignis besser als ein beachtenswerter Branchentrend zu verstehen: Es zeigt sowohl die Möglichkeit der Ausweitung intelligenter Elektroauto-Technologie auf andere Bereiche als auch die derzeit stattfindenden Veränderungen und Chancen in der Yachtindustrie.










