
Die Lage des deutschen Autoriesen verschlechtert sich weiter. Zu seiner Rettung sind dringende und ziemlich radikale Maßnahmen erforderlich, die jedoch auf Widerstand von Gewerkschaften und Großaktionären des Konzerns stoßen.
In dieser Woche veröffentlichte die Volkswagen Group die Verkaufszahlen für das erste Halbjahr 2026: Sie gingen um 6,3 % auf 4.125.700 Fahrzeuge zurück. Den stärksten Rückgang gab es in China: Hier brachen die Verkäufe um 25,9 % auf 973.000 Fahrzeuge ein.
Ebenfalls in dieser Woche legte der Vorstand der Volkswagen Group unter der Leitung von Oliver Blume dem Aufsichtsrat einen neuen Anti-Krisen-Plan vor, der weitaus umfangreichere Kürzungen vorsieht als der vorherige Plan.
Der vorherige Plan „Zukunft Volkswagen“ wurde Ende 2024 veröffentlicht und stellte einen Kompromiss mit den Gewerkschaften dar, der den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen ohne Werksschließungen vorsah. Dieser Plan ist inzwischen überholt – die angekündigten Maßnahmen reichen nicht aus, um die Volkswagen Group über Wasser zu halten.
Gerüchte über den neuen Anti-Krisen-Plan der Volkswagen Group kursierten in den westlichen Medien in den letzten paar Monaten, und gestern wurde dieser Plan offiziell vorgestellt. Der neue Plan ist überraschend, weil er sehr wenig Konkretes enthält. Zu den einigermaßen verständlichen Maßnahmen gehört die Absicht, die Produktionskapazität des Konzerns von derzeit 10 Millionen auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu reduzieren und die Modellpalette um 50 % zu verkleinern – wobei die Anzahl der angebotenen Modellvarianten und Ausstattungslinien gleich um 75 % sinken soll. Welche Modelle genau gestrichen werden sollen, ist noch nicht bekannt. Gerüchten zufolge sollen zuerst veraltete und schlecht verkaufende Modelle aus dem China-Sortiment wegfallen.
Der neue Plan schlägt auch vor, sich überschneidende Strukturen innerhalb des Konzerns zu beseitigen, sich von nicht zum Autogeschäft gehörenden Vermögenswerten zu trennen und Künstliche Intelligenz umfassend einzusetzen, um die Produktivität und die Entwicklungsgeschwindigkeit neuer Modelle zu steigern.
Der neue Plan enthält keine konkreten Vorschläge, wie viele Arbeitsplätze abgebaut und wie viele Werke geschlossen werden müssen. Bereits im letzten Monat berichteten jedoch informierte Quellen, dass bis zu 100.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten und in Deutschland die Werke in Hannover, Neckarsulm, Zwickau und Emden von der Schließung bedroht seien. Diese Gerüchte waren Anlass für eine Protestaktion der Gewerkschaft IG Metall am Hauptsitz der Volkswagen Group in Wolfsburg, die jedoch eher der Abschreckung dient. Echte Probleme für den Konzern könnten Massenstreiks verursachen, wie wir sie 2024 vor der Veröffentlichung des Plans „Zukunft Volkswagen“ gesehen haben.
Das Interessanteste ist, dass der vom Vorstand vorgeschlagene neue Anti-Krisen-Plan letztendlich nicht vom Aufsichtsrat genehmigt wurde, dem Vertreter der Gewerkschaften und der wichtigsten Eigentümer angehören, darunter die Landesregierung Niedersachsens, die die Gewerkschaften unterstützt. Wie Reuters berichtet, stimmten 12 Ratsmitglieder gegen diesen Plan, während ihn nur 7 unterstützten. Ein Grund für die Ablehnung ist wahrscheinlich, dass das Dokument zu allgemein gehalten ist und viele schmerzhafte Details vermissen lässt. Die Konzernführung scheint bewusst zu vermeiden, die härtesten Maßnahmen vorzeitig preiszugeben, da dies eine neue Protestwelle auslösen und die Arbeit der europäischen Werke lahmlegen könnte.
Der Aufsichtsrat schlägt seit dem Frühjahr Alarm und sagt deutlich, dass ohne radikale Änderungen am Geschäftsmodell eine Katastrophe auf den Volkswagen-Konzern zukommt. Daher erwarten die Ratsmitglieder vom Vorstand einen konkreteren und überzeugenderen Anti-Krisen-Plan. Oliver Blume und die anderen Direktoren sind nicht zu beneiden: Sie stecken in der Zwickmühle zwischen der EU-Gesetzgebung mit ihrer Durchsetzung der Öko-Agenda und den widersprüchlichen Forderungen der Eigentümer.
Das Magazin Auto Motor und Sport berichtet, dass das Werk in Osnabrück (Deutschland), dessen Fahrzeugproduktion 2027 eingestellt werden soll, an das israelische Rüstungsunternehmen Rafael zur Herstellung von Komponenten des Luftverteidigungssystems „Iron Dome“ verkauft werden sollte, aber die Regierung Katars, die ebenfalls einen großen Anteil an der Volkswagen Group hält und durch ihren Staatsfonds im Aufsichtsrat vertreten ist, blockierte das Geschäft. Damit ist die Zukunft des Werks in Osnabrück wieder völlig offen. Dasselbe gilt für den gesamten Volkswagen-Konzern. Wir beobachten die Entwicklungen weiterhin mit Sorge.










